Heise 11.10.2026
08:30 Uhr

heise+ | Pilze sammeln mit KI: Experten warnen vor tödlichen Fehlern


Die Pilzsaison läuft. Fragt man Apps und KI, ob man ein leckeres Stockschwämmchen oder einen Gifthäubling gesammelt hat, folgen mitunter tödliche Ratschläge.

heise+ | Pilze sammeln mit KI: Experten warnen vor tödlichen Fehlern

Es klingt verlockend: einfach Körbchen, Messer und Handy schnappen und auf geht’s zum Pilzesammeln. Etliche Apps und KI-Chatbots wollen schließlich dabei helfen, die verschiedenen Pilzsorten zu bestimmen. Wir haben mit einem Sachverständigen gesprochen, der eindringlich davor warnt, sich bei der Pilzsuche auf Apps zu verlassen. Auch ein aktueller Versuch eines polnischen Softwareentwicklers, der mehrere Sprachmodelle Pilze bestimmen ließ, zeigt: Potenziell tödliche Irrtümer sind bei der KI nicht selten.

Aus der Erde oder an Baumrinden wachsen in der Pilzsaison allerlei essbare Arten. Doch es sprießen auch weiße Knollenblätterpilze, Gifthäublinge und andere giftige Pilze, die selten so gut erkennbar und berühmt sind wie beispielsweise der Fliegenpilz. Von circa 10.000 bekannten Pilzarten in Deutschland seien ungefähr 200 essbar und circa ebenso viele gesichert giftig – der Rest sei ungenießbar oder nicht daraufhin geprüft, erklärt Florian Gade, Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e. V. (DGfM).

Derzeit arbeitet Gade an einem „Pilzmodul“ für die Naturbestimmungs-App ID-Logics mit. Dennoch warnt er: „Eine sichere Pilzbestimmung alleine mit einer App ist nicht möglich.“ Um genießbare Kandidaten zu identifizieren, brauchen Menschen vor allem Wissen und eigene Erfahrung. Gade rät dazu, zumindest eine geführte Exkursion mit einem Pilzsachverständigen mitzumachen und, falls möglich, eine Pilzausstellung zu besuchen, bevor man auf eigene Faust Pilze suchen geht.